SOM
MER
I
N
STUTT
GART
22.
07.
bis
27.
07.
2021

Sommer in Stuttgart

Festival Neuer Musik

Programm

Datum
Uhrzeit
Ort
Live
Stream
1
Do. 22. Juli
19:00 Uhr
Theaterhaus T2

Alvaro Carlevaro:  verano del ángel

für Countertenor, Posaune und Violoncello (2013/14) UA

nach einem Text von Samuel Beckett

 

Rebecca Saunders: Solitude

für Violoncello solo (2013)

 

Rolf Riehm: gestern aber heute hybrid 532
Klangclips und tweets zur brüchigen Gegenwart
für Klavier (2020) UA

 

Daniel Gloger, Countertenor

Ensemble Ascolta

Erik Borgir, Violoncello

Andrew Digby, Posaune

Florian Hoelscher, Klavier

Gitarre und Komposition studierte Alvaro Carlevaro zunächst in seiner Heimatstadt Montevideo, um sich dann als Komponist in Stuttgart von Helmut Lachenmann die entscheidenden Impulse zu holen. Deshalb ist seine Musik formal streng, klanglich virtuos-verspielt. Kontrastiert wird die Uraufführung seines Trios von Rebecca Saunders’ Meditation über die Facetten des Begriffs der Einsamkeit und einem Statement von Rolf Riehm »zur brüchigen Gegenwart«, wie so oft spröde, schroff und doch klanglich hochsensibel.

 

 

Alvaro Carlevaro:  verano del ángel

nach einem Text von Samuel Beckett

Mein Stück besteht aus einer umfassenden Verfremdung der gewohnten Klangeigenschaften einer Stimme und der beiden beteiligten Instrumente. verano del ángel ist vor allem die Suche nach einer gemeinsamen Klangsprache bzw. eine Jagd nach konkreten Vokalen, Silben in einem Text von Beckett, den ich in seiner spanischen Version verwendet habe, die neben einer Übersetzung ins Französische von Beckett selbst existiert. Der spanische Text war für mich lediglich strukturell-kompositorisches Material, bei der die inhaltliche Ebene keine Rolle spielte.
Alvaro Carlevaro

Auf den richtigen Interpreten für sein Stück „verano del ángel“ (Der Sommer des Engels) hat Alvaro Carlevaro fünf Jahre lang gewartet. Jetzt wird das gesangstechnisch verzwickte Stück von dem Countertenor Daniel Gloger uraufgeführt. Er freut sich darüber, dass die Stimme hier „ganz und gar im Klang von Posaune und Violoncello aufgeht und dass es besonders viele „Luftgeräusche gibt“, die er mit seiner Neue-Musik-gestählten Stimme absolut präzise ausführen muss.

 

 

Rebecca Saunders: Solitude

Absent, silent, sole,
Naught beside.
Solitaire, Santon, pariah,
Cenobite.
Either, neither, solus,
Unified.

A state or quality of being alone, solitary, or remote.
Implies the absence of all others: inaccessibility, withdrawal, seclusion, isolation.
A state of separation.
A lonely or secluded place: wilderness, waste, desert, emptiness, wasteland.
In silence, vacuous and devoid.

 

 

Rolf Riehm: gestern aber heute hybrid 532
Klangclips und tweets zur brüchigen Gegenwart

hybrid
Gemeint ist damit eine kompositorische Gemengekonzeption. Aus Komponenten älterer Stücke und stilistischer Konstellationen („gestern“) habe ich Klangclips gebildet, die ich als Solitäre sozusagen per Mausklick übernehme und von denen zudem Impulse zu diversen kompositorischen Kurzmitteilungen (“Tweets”) ausgehen.

Unter diesen Clips heben sich drei hervor, in denen deutlich Komponenten bestimmter älterer Stücke wahrnehmbar sind. Diese Komponenten durchziehen weitere Clips und die meisten Tweets. So stellt jeder von diesen drei Clips eine Art „Quell“-Clip dar:

Bach, BWV 532, daraus zwei Piktogramme, die das figurative “Outfit” des Stückes dominieren.

 

Bruckner, 7. Symphonie, 1. Satz, Takt 6 bis 9, Viola/Violoncello, mit zwei geradezu mottoartigen Setzungen: ein Kreisen um h in kleinen Sekunden mit seinem zart chromatischen Aroma und dann die strahlende Diatonik in der Mitte der melodischen Phrase

 

Schlager, Teile aus der Intro und dem Refrain

Zu diesen drei „Quell“-Clips kommen weitere Clips und schließlich noch eine Box aus mehreren kurzen 32tel-Hinwürfen. Die raschen Figuren in dieser „Box“ sind, wie überhaupt auch die Clips, so etwas wie gestaltete Ausrufe.

Das Stück ist nun so entstanden, dass ich einen kompletten Clip oder einzelne Komponenten daraus angeklickt habe. Ich könnte aber nicht sagen, welche Strategie ich dabei verfolgt habe, alles mehr oder weniger intuitiv. Es entstanden nach jedem Klick dauernd neue Situationen. In jedem Moment habe ich versucht, hinter den “Eigensinn” des gerade Erreichten zu kommen, habe aber eher erspürt, was in der Gravitation des augenblicklichen Zustands Sache sein könnte. Jedenfalls hat es sich ergeben, dass bei jedem Anklicken die Teile „mehr oder weniger“ neu formatiert sein wollten. Ich hatte ihre innere Lebendigkeit mit aufgerufen, und so brachten sie ihre eigenen Interessen ins Spiel.

Es kommen allerdings im Stück auch Vorgänge vor, die mit diesen hier beschriebenen gar nichts zu tun haben. Einen Grund für solche Aktionen kann ich nicht angeben. Mein Gespür sagt mir aber, sie sind total richtig.

 

Wie ich mir überhaupt wünschte, dass das Stück als ein Pandämonium:

–  an Setzungen und Setzungsverweigerungen,
– an Verküpfungen und an Verknüpfungsignoranz,
– an narrativen Exkursen und an impertinent sich weiteren Perspektiven   verschließenden Klängen,
– an Erinnerungskostbarkeiten, an Bewahrenssehnsucht und an hereinstürzender räuberischer Verfügung darüber wahrgenommen würde.

 

 

2
Do. 22. Juli
20:00 Uhr
Theaterhaus T3

Schubert Remix

 

Bernhard Lang: The Cold Trip pt.2

für Klavier, Laptop und Stimme (2014/2015)

 

Jan Brauer, Vitaliy Kyianitsya, Viktoriia Vitrenko:
Techno: Schubert. Eine Reise in die Unterwelt

für Klavier, Synthesizer, Stimme & Live-Elektronik (2021) UA

 

Duo Pearl in the Shell [PITS]

Vitaliy Kyianitsya, Klavier/Laptop

Viktoriia Vitrenko, Stimme/Synthesizer 

feat. Jan Brauer, Live-Elektronik

Gefördert von

Franz Schubert komponierte meist über abgrundtief vom Leben verletzte Seelen. Fasziniert von seiner menschenkenntnisreichen Musiksprache begegnen das Duo PITS und der Techno-Spezialist Jan Brauer in ihrer Kollektivkomposition den Schubertschen Abgründen mit musikalischen Mitteln aus Techno, Free Jazz und Neuer Musik. Konfrontiert wird diese Performance, die zwischen Komposition und Improvisation changiert, mit Bernhard Langs Antwort auf Schuberts »Winterreise«.

 

Bernhard Lang: The Cold Trip pt.2

Neben Elfride Jelineks literarischem Blick auf Schuberts „Winterreise“ steht seit 2016 ein ganz neuer musikalischer Zugriff auf den Klassiker: Bernhard Lang hat im Rahmen seiner Werkreihe „Differenz/Wiederholung“ lange an der Simulation musikalischer Automatismen gearbeitet. Die dabei entwickelten Methoden fließen nun in die „Monadologie“-Serie ein, in der er historische Musik recycelt, überarbeitet, überschreibt. Er selbst spricht von „Explosion“ und „Sprengung“. Hier schafft er mit seinen Loop-, Schnitt- und Sampletechniken ein Palimpsest auf den originalen Klängen und Strukturen von Schuberts romantischen Liedern. Aus der „Winterreise“ wird eine Metakomposition – „The Cold Trip”.

Text aus dem Programmheft des Festivals MaerzMusik.

 

 

Jan Brauer, Vitaliy Kyianitsya, Viktoriia Vitrenko:
Techno: Schubert. Eine Reise in die Unterwelt

„Techno: Schubert“ ist eine gemeinschaftliche, polystilistische Komposition, die vom Duo [PITS] (Vitaliy Kiyanitsya, Viktoriia Vitrenko) in Zusammenarbeit mit dem Technomusiker Jan Brauer entwickelt wurde. In dieser genreübergreifenden Komposition, die zwischen Notation und Improvisation changiert, kreiert das Kollektiv eine brandneue Interpretation von Schuberts “Winterreise”. Ebenso einfühlsam wie radikal legen die Interpreten deren zeitlose Kraft und Fallhöhe frei und nehmen so das Publikum auf eine Klangreise ins Unbekannte mit. Dabei bringen die Interpreten eigene musikalische Erfahrungen und Hintergründe in den Kompositionsprozess ein und überschreiben die tradierte Ästhetik mit modernen Mitteln. Elemente aus Neuer Musik, Jazz und Techno finden so zu einer starken Synergie zusammen mit dem Ziel, eines der größten romantischen Meisterwerke neu zu beleuchten.
„In Schubert sehen wir den Ursprung einer faszinierenden Liedgeschichte und eine musikalische Quelle an nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten. Und so wagen wir es, frech, kreativ, aber einzigartig und am Puls der Zeit: eine Hommage an den größten Songwriter aller Zeiten, serviert à la Techno avec le Jazz à côte, en peu de Hip-Hop et Soul pour le dessert.“

Vitaliy Kiyanitsya, Viktoriia Vitrenko

3
Do. 22. Juli
22:00 Uhr
Theaterhaus T2

Klaus Lang / Sabine Maier: »nirgends«

für Ensemble und projiziertes Licht (2020/21)

 

Ensemble Ascolta

Gefördert von

»nirgends« entführt das Publikum an einen Nicht-Ort, in einen poetischen Raum jenseits geographischer Koordinaten, zwischen Stille und Dunkelheit, gleißendem Licht und raumfüllendem Klang. Oft asketisch, subtil schattiert und extrem langsam getaktet trifft die Musik von Klaus Lang hier auf die besondere Lichtästhetik von Sabine Maier, hergestellt mit längst ausrangierten Projektoren und Scheinwerfern.

 

 

Klaus Lang / Sabine Maier: »nirgends«

In unserer gemeinsamen Arbeit erkunden wir unterschiedliche Raum-, Klang- und Lichtsituationen zwischen Stille und Dunkelheit einerseits sowie gleißendem Licht und raumfüllendem Klang andererseits: von absoluter Dunkelheit über projizierte Lichtrechtecke und voll den ausgeleuchtetem Raum bis zu blendender Helligkeit. Zu den Lichtsituationen treten Klangstrukturen, die zunächst statisch wirken, sich aber stetig verändern und analog zur Lichtgestaltung feinste Schattierungen und Nuancen wahrnehmbar machen.

Die kompositorische Struktur besteht aus parallel verlaufenden Klangschichten zwischen Rauschen und Diatonik, die manchmal transparent, manchmal »deckend« gestaltet sind. Für die Gestaltung der Lichtwelt werden Technologien genutzt, die fast in Vergessenheit geraten sind. Als ästhetische Mittel dienen alte, längst ausrangierte Apparaturen (8/16 mm Film- und Dia-Projektoren, Scheinwerfer), die ein Eigenleben entwickeln. Die Projektoren sind auf der Bühne ebenso präsent wie die Musiker. Ihre Betriebsgeräusche vermitteln zwischen Auditivem und Visuellem.

Synchronizität zwischen Musik und Bild ist nicht intendiert, nur in wenigen Momenten kommt es zu absichtsvollem Zusammenspiel. Auf diese Weise entsteht mit reduzierten Mitteln ein komplexes audiovisuelles Geflecht. Dabei werden Klang und Raum nicht benutzt, um etwas zu erzählen oder zu belehren, sie werden erforscht und können die ihnen eigene, reiche Schönheit entfalten.

Klaus Lang / Sabine Maier
(Erstabdruck im Programmbuch zur UA bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik 2021)

4a
Fr. 23. Juli
17:30 Uhr
Theaterhaus / MDJ P1

Kirstine Lindemann: Between Strings vol. #2

for 1 performer, 4 audience members and sound installation (2021) UA

 

Yiran Zhao/Kirstine Lindemann: other eye

for 2 performers, amplification, live video projection and light (2018)

 

Yiran Zhao/Kirstine Lindemann: Neues Werk

for 2 performers, instruments and live electronics (2021) UA

 

Kirstine Lindemann/Yiran Zhao: other hand

for 1 performer, electronics, amplification, objects and video (2020) DE

 

Yiran Zhao: yao ye #7

live sound meditation for 2 performers and audience (2021) UA

 

OTHER EYE

Kirstine Lindemann und Yiran Zhao

Gefördert von

Das Composer-Performerinnen-Duo OTHER EYE räumt mit dem tradierten Postulat auf, Musik wäre in erster Linie Sound. In ihren Musikperformances arbeiten sie meist ohne herkömmliche Instrumente, stattdessen mit feinsten körperlichen Impulsen, die medial unter die Lupe genommen werden. Auch dieses Programm bietet einen hochausdifferenzierten, nuan-
cierten Katalog von Bewegungen und Gesten, die in vielfachen Kombinationen zu immer neuen Klang-Erzählungen gerinnen.

5
Fr. 23. Juli
19:00 Uhr
Theaterhaus T3

Unendliche Freiheit?

 

Tatsiana Khomich: Bericht über die Situation in Belarus

 

Alberto Bernal: Impossible translations #5

für Flöte und Video (2021) UA*
Kompositionsauftrag von TRIO vis-a-vis
Maria Kalesnikava gewidmet

 

Alberto Bernal: Made in China / Epitaph

für Sopran, Cello, Flöte und audiovisuelle Projektion (2021) UA*

nach einem Text des Dichters, Bloggers und Foxconn-Mitarbeiters Xu Lizhi

 

Silvia Rosani: Ai Limiti delle soglie II: con moto trasversale

für Sopran, Cello, Flöte, Komponistin und hybride elektro-akustische Instrumente (2019/2020)

 

Alberto Bernal: (neo)liberal systems #2 »crescendo« 

für beliebige Besetzung und Live Elektronik (2019)

 

 

TRIO vis-à-vis

Natasha López, Gesang

Guillermo González, Flöte

Hugo Rannou, Violoncello

*Gefördert vom Musikfonds e. V. mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Themen für ihre Kompositionen finden Silvia Rosani und Alberto Bernal mitten im Leben, in den Berichten über Migrantenschicksale, moderne Sklaverei oder wirtschaftliche Ausbeutung. Musikalisch arbeiten beide mit dem ganz feinen Besteck: Alberto Bernal sucht die Grenze(n) auf, um sie zu dekonstruieren. Silvia Rosani wiederum untersucht gesellschaftspolitische Themen in filigranen Beziehungsgeflechten von Text und Musik.

 

Das Konzert ist Maria Kalesnikava gewidmet, die seit September 2020 vom belarusischen Regime in Minsk gefangen gehalten wird. Die Flötistin ist Gründungsmitglied von TRIO vis-à-vis. Ihre Schwester Tatsiana Khomich wird vor dem Konzert von der Situation der politischen Gefangenen in Belarus berichten.
Schon am 21. Juli (20:30 Uhr) findet im Stuttgarter Arthouse-Kino Delphi die Premiere des Films “Courage” von Aliaksei Paluyan statt.

 

Tatsiana Khomich: Bericht über die Situation in Belarus

 

Alberto Bernal: Impossible translations #5

„Impossible translations“ ist eine Reihe von Arbeiten für akustische Instrumente und simultanes Video, in denen ich versuche, eine Beziehung zwischen Musik und Außenwelt durch eine eher willkürliche Übersetzung eines nicht-musikalischen Inputs (meist Videos oder Standbilder) in eine spielbare Instrumentalpartitur herzustellen.

Es sind keine Arbeiten über Synästhesie, sondern Arbeiten, die versuchen, eine Beziehung zu erzwingen, in der zwei unvereinbare Ebenen zusammengefügt werden. Es geht gewissermaßen um das Paradox einer unmöglichen Musik, die durch die Materialisierung ihrer unmöglichen Übersetzung möglich wird.
Alberto Bernal

 

 

Alberto Bernal: Made in China / Epitaph

Das Ausgangsmaterial für „Made in China/Epitaph“ ist das Gedicht „I fall asleep, just standing like that“ von Xu Lizhi. Der Poet nahm sich 2014 im Alter von 24 Jahren das Leben, weil er die schier sklavischen Arbeitsbedingungen bei seinem Arbeitgeber Foxconn nicht mehr aushielt. (Foxconn arbeitet hauptsächlich für Firmen im Elektronikbereich wie Apple, Amazon, Dell, Google, Sony, Microsoft u. v.a.).

In seiner Komposition thematisiert Alberto Bernal die komplexe Polarität, die sich aus den brutalen Arbeitsbedingungen und der Unterhaltungselektronik als Betäubungsmittel der Massen ergibt.

Abgebildet wird das in der dualen Anlage des Stücks: Auf der einen Seite befinden sich die Instrumente, die eine Serie klanglicher Verfremdungen der phonetischen Bestandteile des Gedichts spielen, das im Original auf chinesisch geschrieben ist. Diese Ebene wird konfrontiert mit Klängen, musikalischen Versatzstücken, Bildern und Videos, die erscheinen, wenn Wörter des Gedichts in der englischen Übersetzung in Suchmaschinen wie Google oder auf Videoportalen wie Youtube eingegeben werden.

 

Diese beiden Welten, die normalerweise getrennt voneinander existieren, werden so in einer Komposition zusammengeführt. Die Aktionen und Klänge der Musiker können so in ihrer ursprünglichen Form und ihrer live-elektronischen Modulierung erlebt werden.

 

 

I Fall Asleep, Just Standing Like That

 

The paper before my eyes fades yellow

I used a pen to chisel the shades of black

Full of working words

Workshop, assembly line, machine, work card, overtime, wages…

I’m subdued by them

I don’t scream, I don’t fight.

No complains, no blames

Only exhausted in silence

When I first set foot in this place

I hoped only for that grey pay slip on the tenth of each month

To grant me some belated solace

For this I had to grind away my corners,

grind away my words

Refuse to skip work,

refuse sick leave, refuse leave for private reasons

Refuse to be late, refuse to leave early

By the assembly line I stood straight like iron, hands like flight,

How many days, how many nights

I was just like that, standing and falling asleep.

Xu Lizhi

 

 

Silvia Rosani: Ai Limiti delle soglie II: con moto trasversale

Ai Limiti delle soglie II: con moto trasversale
„Con moto trasversale“ ist Teil der Reihe „Ai Limiti delle Soglie“, die die Komponistin Silvia Rosani in Zusammenarbeit mit der Sängerin Natasha López begann. In dieser Reihe erforscht Silvia Rosani, wie Technologie eingesetzt werden kann, um die traditionellen Grenzen einer Konzertsituation zu durchbrechen, entweder indem ein direkter Dialog mit dem Publikum eröffnet wird – wie in dem Werk „Als ich ein Kind war“ – oder indem eine neue Beziehung zwischen dem*der Interpreten*in und dem Aufführungsraum definiert wird. In dieser neuen Komposition wird die Technik des Audio-Feedbacks benutzt, um Metalltafeln zu hybriden Instrumenten umzuformen, die vom TRIO vis-à-vis zusammen mit ihren eigenen Instrumenten gespielt werden und um Teile des „Lamento della Ninfa“ (SV163) von Claudio Monteverdi neu zu synthetisieren. Die von den Tafeln erzeugten Klänge können von einfachen, fast sinusförmigen Klängen bis hin zu hochkomplexen und verrauschten Klängen variieren, je nach Abstand des Lautsprechers von der Oberfläche der Tafel und je nach Position auf der Tafel. Nach der Aufführung sollten die Tafeln an ihrem Platz verbleiben, um von den Zuschauern bespielt zu werden.

 

 

Alberto Bernal: (neo)liberal systems #2 »crescendo«

(neo)liberal systems #2 «„crescendo“» ist Teil einer neuen Reihe von Stücken über das Paradoxon, eine quasi unendliche Freiheit in einem Kontext auszuüben, der sie toleriert, sie aber gleichzeitig in verschiedenen Systemen assimiliert, die diese „Freiheit“ verwalten und auf eine einzige Funktion und Bedeutung reduzieren.
In allen Stücken gibt es eine radikale Unterscheidung zwischen der von den Musikern produzierten Materialität und dem herrschenden System. Es gibt keine konventionelle Partitur, die den Musikern zeigt, was sie spielen sollen, aber sie haben die Freiheit, ihr eigenes Material, ihre Instrumente und ihre eigene Spielweise zu bestimmen (vorher ausgehandelt oder nicht ausgehandelt). Mit dem Untertitel „Crescendo“ reagiert dieses zweite Stück auf eine sehr einfache Tendenz: Alles, was von den Musikern gespielt wird, wird immer wieder aufgenommen und wiedergegeben, so dass nach und nach eine große Masse von mehr und mehr Schichten eines Klangs entsteht: ein unendlicher Prozess des Wachstums und der Anhäufung von Materialien, deren einziges Ziel es ist, weiter zu wachsen.
In gewissem Sinne sind „(neo-)liberal systems“ Stücke, die gleichzeitig in den Genres der freien Improvisation und der geschriebenen/fixierten Musik auftreten, und zwar nicht als Hybrid zwischen beiden, sondern vielmehr als Bewegung, die zwischen Freiheit und absoluter Entschlossenheit oszilliert.
Alberto Bernal

 

4b
Fr. 23. Juli
21:00 Uhr
Theaterhaus / MDJ P1

Kirstine Lindemann: Between Strings vol. #2

for 1 performer, 4 audience members and sound installation (2021) UA

 

Yiran Zhao/Kirstine Lindemann: other eye

for 2 performers, amplification, live video projection and light (2018)

 

Yiran Zhao/Kirstine Lindemann: Neues Werk

for 2 performers, instruments and live electronics (2021) UA

 

Kirstine Lindemann/Yiran Zhao: other hand 

for 1 performer, electronics, amplification, objects and video (2020) DE

 

Yiran Zhao: yao ye #7 

live sound meditation for 2 performers and audience (2021) UA

 

OTHER EYE

Kirstine Lindemann und Yiran Zhao

Gefördert von

Das Composer-Performerinnen-Duo OTHER EYE räumt mit dem tradierten Postulat auf, Musik wäre in erster Linie Sound. In ihren Musikperformances arbeiten sie meist ohne herkömmliche Instrumente, stattdessen mit feinsten körperlichen Impulsen, die medial unter die Lupe genommen werden. Auch dieses Programm bietet einen hochausdifferenzierten, nuan-
cierten Katalog von Bewegungen und Gesten, die in vielfachen Kombinationen zu immer neuen Klang-Erzählungen gerinnen.

6
Sa. 24. Juli
20:00 Uhr
Theaterhaus T2

Lamin Fofana: Shafts of Sunlight

Performance (2021) UA

Ein Projekt der Akademie Schloss Solitude

In seiner improvisatorischen Performance »Shafts of Sunlight« spielt Lamin Fofana mit Fragmenten und Trümmern aus ausgedehnten Studio-Sessions. Das Ende lässt er offen, auch weil er auf einer zweiten Ebene mit Unterbrechungen der linearen historischen Zeit auf die »Blues-artige Zeit« abzielt, in der alles gleichzeitig im Moment, in der Vergangenheit und im zeitlosen Raum der imaginierten Zukunft spielt. Die Intensivierung dieser Erfahrung von Gleichzeitigkeit ist in der ergänzenden Installation zu erleben. 

 

Lamin Fofana wurde für den Preis der Nationalgalerie 2021 nominiert und für die Shortlist ausgewählt.

 

Shafts of Sunlight
Installation (Eintritt frei)
24. Juli 2021 / 16:00 bis 22:30 / Theaterhaus MDJ P1
25. Juli / 10:00 bis 14:00 / Theaterhaus MDJ P1

 

„Wie geht es jetzt weiter? Die Zukunft ist ungewiss. Der Weg ist ständig im Wandel. Unsere Begegnungen mit der Welt zwingen uns, zu experimentieren und neue Konzepte und Dinge zu schaffen, die uns helfen, uns eine andere Existenz vorzustellen, einen Ausweg aus den Turbulenzen und der Brutalität.“
Lamin Fofana

7
Sa. 24. Juli
22:00 Uhr
Theaterhaus T2

Film einer Südseite nachts-Produktion im Dezember 2020 aufgeführt am Originalschauplatz

 

Bernhard Lang: DW 6c

für E-Gitarre, E-Bass, Drumset und Loop-Generator (2006)

(Bearbeitung von Pony Says)

 

Jennifer Walshe: EVERYTHING YOU OWN HAS BEEN
TAKEN TO A DEPOT SOMEWHERE

for three performers (2013)

 

Verstreute Lieder – Eine post-individuelle Aneignung 

Stimme (»SchuBot«) und Begleitung, Pony Says

Konzept: Martin Schüttler

Komposition: Franz Schubert

 

Simon Løffler: b

for 3 players, 6 effect pedals, 3 neon lamps, and a loose mono jack cable (2012)

 

Pony Says

Lucas Gerin, Schlagzeug & Performance

Felix Nagl, Klavier & Performance

Thilo Ruck, Gitarre & Performance

 

Christopher Bühler, Kamera und Schnitt

Die Musiker von Pony Says bevorzugen den Aufenthalt zwischen allen künstlerischen Stühlen. Zeitgenössische Musik und freie Improvisation interessieren sie ebenso wie die Arbeit mit Künstler:innen aus den Bereichen Video, Performance und ortspezifischer Kunst. Wenn schon Klischees auftauchen, dann, um sie als solche virtuos zu entblößen. Und so erwartet das Publikum auch hier wieder ein ebenso schräg-schönes wie vielfältig gestaltetes Konzertereignis, das während des harten Lockdowns im Dezember 2020 produziert wurde. Zu erleben ist, wie das Multiperspektivische der Werke mittels der filmischen Techniken noch eine Schraube weitergedreht wird, zumal die Premiere just am Originalschauplatz der Filmarbeiten stattfindet.

 

 

8
So. 25. Juli
11:30 Uhr
Theaterhaus T1

Georges Aperghis: Le cours de la vie (Der Lauf des Lebens)

für Stimmen und Instrumentalensemble (2019/20)

 

Neue Vocalsolisten

Klangforum Wien

Leitung Emilio Pomárico

Kompositionsauftrag von Musik der Jahrhunderte, gefördert von der Ernst von Siemens Musikstiftung.

In allen nur erdenklichen Klangfarben und konstruktiven Volten imaginiert Georges Aperghis, Träger des Ernst von Siemens Musikpreises 2021, in »Le cours de la vie« das Bild der großen Straße, auf der man »zu zweit, zu dritt, plötzlich in einer gehenden Menge« auf vertraute wie auf »seltsam scheinende Figuren trifft, einige von ihnen maskiert…« – Auch in dieser Komposition zeigt Aperghis, dass er »wie ein Akrobat auf dem Seil zu tanzen und dabei den Sturz zu riskieren versteht, ohne zu stürzen« – so der Philosoph Félix Guattari. 

 

Georges Aperghis: Le cours de la vie (Der Lauf des Lebens)
Auf der großen Straße – gemeinsam gehend zu dritt, zu zweit, unvermittelt eine wandelnde Gruppe, Figuren, vertraut – fremd, einige verborgen, inmitten der Menge, dann an der Seite, dann ganz allein. Weggabelungen, Partys, das Leben geht weiter, wir gehen weiter, machen gemeinsam Musik, mal intim, mal extravagant, Freuden, Ängste, Gedanken, Panik folgen einander, und wir bewegen uns vorwärts, immer in Begleitung der Verstorbenen, die uns umschwärmen, manchmal links, manchmal rechts, gute oder schlechte Vorzeichen, wir gehen alleine oder zusammen weiter, wir erklimmen den Berg, unsere Musiken begleiten uns Tag und Nacht, wir erreichen den Gipfel, dann…

Georges Aperghis

 

Neue Vocalsolisten

Johanna Vargas, Sopran / Susanne Leitz-Lorey, Sopran / Truike van der Poel, Mezzosopran / Martin Nagy, Tenor / Guillermo Anzorena, Bariton / Andreas Fischer, Bass

 

Klangforum Wien

Vera Fischer, Flöte, Piccolo und Bassflöte / Thomas Frey, Flöte und Piccolo / Markus Deuter, Oboe und Englischhorn / Bernhard Zachhuber, Klarinette und Bassklarinette / Olivier Vivarès, Klarinette und Bassklarinette / Lorelei Dowling, Fagott und Kontrafagott / Gerald Preinfalk, Saxophon / Christoph Walder, Horn / Anders Nyqvist, Trompete / Mikael Rudolfsson, Posaune / Sophie Schafleitner, Violine / Gunde Jäch-Micko, Violine / Annette Bik, Violine / Dimitrios Polisoidis, Viola / Andreas Lindenbaum, Violoncello / Benedikt Leitner, Violoncello / Sophie Lücke, Kontrabass / Krassimir Sterev, Akkordeon / Ursula Fatton, Harfe / Lukas Schiske, Perkussion / Björn Wilker, Perkussion / Florian Müller, Klavier und Celesta / Joonas Ahonen, Klavier und Harmonium

Leitung Emilio Pomárico

9
Di. 27. Juli
20:00 Uhr
Theaterhaus T2

Sergej Newski: Vray dieu d’amour

für Countertenor und Bass (2007)

 

Gespräch mit Ira Roldugina, Marina Davydova und Sergej Newski über »Die Einfachen« und die russische Gay Subkultur der 1920er Jahre 

 

DIE EINFACHEN 

Dokumentaroper

für fünf Sänger:innen, Elektronik und Video (2020/21) UA

 

Libretto von Sergej Newski nach russischen Briefen der 1920 Jahre

Komposition: Sergej Newski

Video, Bühne und Regie: Ilya Shagalov

Live-elektronische Realisierung: Alex Nadjarov

 

Neue Vocalsolisten

Truike van der Poel, Mezzosopran

Daniel Gloger, Countertenor

Martin Nagy, Tenor

Guillermo Anzorena, Bariton

Andreas Fischer, Bass

Johanna Vargas, Live-Kamera

 

Schauspieler:innen im Video: Igor Bychkov,
Gladston Mahib, Savva Savelyev, Uliana Lukina

Kamera für das Video: Artur Bergart

Gefördert durch den Innovationsfonds Kunst 2021 des Landes Baden-Württemberg

Als »Die Einfachen« benannte sich im nachrevolutionären Leningrad der 1920er Jahre die Gay-Subkultur, zu der Arbeiter:innen,  Kleinangestellte und Student:innen gehörten. In wiederentdeckten Briefen an den berühmten Psychiater Wladimir  Bechterev, 2016 publiziert durch die Wissenschaftlerin Ira Roldugina, entfaltet sich das Bild einer Generation,
die versuchte, für die neu entdeckte körperliche Freiheit eine Sprache zu finden und sie zugleich kritisch zu reflektieren. Die Dokumentaroper lässt die Schicksale eines Bauers, einer Studentin und eines Lehrers wiederaufleben als »Hommage an eine faszinierende Generation, die unter extremen Herausforderungen ihrer Zeit versucht, ihre Würde zu bewahren.«

Datum
Uhrzeit
Ort
Fr. 16. – So. 18. Juli
13:00 – 18:00 Uhr
Solitude Scheune
Parasitic Signals

Sabina Hyoju Ahn (Medien- und Klangkünstlerin):
»Parasitic Signals«

 

4-Kanal-Audioinstallation

in: Ausstellung »Mutations« im Residenzprogramm der Akademie Schloss Solitude

»Parasitic Signals« ist eine quadrophone Audioinstallation, die ein neuartiges Sonifikationsverfahren nutzt, um die Bindungsenergie zwischen einem einzigen Borrelien-Bakterienmolekül und einer menschlichen Proteinzelle in die auditive Wahrnehmung zu überführen.

 

Die Ausstellung »Mutations // Mutationen« ist der Höhepunkt des gleichnamigen neunmonatigen Residenzprogramms der Akademie Schloss Solitude. Die Ausstellung zeigt das kollektive Wissen, das sieben internationale Künstler:innen und kreative Denker:innen seit Oktober 2020 vor Ort und digital entwickelt haben.

Fr. 23. – So. 25. Juli
13:00 – 18:00 Uhr
Solitude Scheune
Parasitic Signals

Sabina Hyoju Ahn (Medien- und Klangkünstlerin):
»Parasitic Signals«

 

4-Kanal-Audioinstallation

in: Ausstellung »Mutations« im Residenzprogramm der Akademie Schloss Solitude

»Parasitic Signals« ist eine quadrophone Audioinstallation, die ein neuartiges Sonifikationsverfahren nutzt, um die Bindungsenergie zwischen einem einzigen Borrelien-Bakterienmolekül und einer menschlichen Proteinzelle in die auditive Wahrnehmung zu überführen.

 

Die Ausstellung »Mutations // Mutationen« ist der Höhepunkt des gleichnamigen neunmonatigen Residenzprogramms der Akademie Schloss Solitude. Die Ausstellung zeigt das kollektive Wissen, das sieben internationale Künstler:innen und kreative Denker:innen seit Oktober 2020 vor Ort und digital entwickelt haben.

Sa. 24. Juli
16:00 – 22:30 Uhr
Theaterhaus / MDJ P1
Shafts of Sunlight

Shafts of Sunlight

Installation (Eintritt frei)
Ein Projekt der Akademie Schloss Solitude

»Wie geht es jetzt weiter? Die Zukunft ist ungewiss. Der Weg ist ständig im Wandel. Unsere Begegnungen mit der Welt zwingen uns, zu experimentieren und neue Konzepte und Dinge zu schaffen, die uns helfen, uns eine andere Existenz vorzustellen, einen Ausweg aus den Turbulenzen und der Brutalität.«
(Lamin Fofana)

So. 25. Juli
10:00 – 14:00 Uhr
Theaterhaus / MDJ P1
Shafts of Sunlight

Shafts of Sunlight

Installation (Eintritt frei)
Ein Projekt der Akademie Schloss Solitude

»Wie geht es jetzt weiter? Die Zukunft ist ungewiss. Der Weg ist ständig im Wandel. Unsere Begegnungen mit der Welt zwingen uns, zu experimentieren und neue Konzepte und Dinge zu schaffen, die uns helfen, uns eine andere Existenz vorzustellen, einen Ausweg aus den Turbulenzen und der Brutalität.«
(Lamin Fofana)

Tickets

Ermäßigung erhalten Auszubildende, Rentner:innen, BFD, Arbeitslose und Menschen mit Behinderung sowie Schüler:innen und Studierende gegen Vorlage eines gültigen Ausweises. Inhaber:innen der Bonuscard + Kultur 2021 (Kultur für Alle) haben freien Eintritt zu allen Veranstaltungen. Diese Karten müssen reserviert und spätestens 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung abgeholt werden. 

 

Theaterhaus Stuttgart

Siemensstraße 11

70469 Stuttgart

+49 (0) 711 / 40 20 720 

Mo. – Fr., 10:00 – 18:00 Uhr

Sa., So. und an Feiertagen ist die Kasse nicht besetzt

tickets@theaterhaus.com

Die Konzerte 1, 2, 3, 4b, 5, 6, 7, 9 werden zeitgleich gestreamt. Karten für die Konzertstreams sind erhältlich über:

mdj.tickettoaster.de

Preise: Pay what you can

Corona-Hinweise

Der Besuch im Theaterhaus ist derzeit ausschließlich für Personen mit einem negativen Test, für vollständig geimpfte oder nachweislich genese Personen möglich.

Bitte halten Sie zum Einlass einen der folgenden Nachweise bereit:

 

  • Personalisierter Nachweis über einen negativen PCR-Test oder über einen Antigen-Schnelltest, der max. 24 Stunden zurückliegt.
  • Nachweis des vollständigen Impfschutzes (ab 14 Tage nach abschließender Impfung).
  • Nachweis einer überstandenen COVID-19 Infektion durch ein positives PCR-Testergebnis, welches mindestens 28 Tage alt ist. Liegt die Genesung mehr als sechs Monate zurück, ist zusätzlich der Nachweis einer mindestens 14 Tage zurückliegenden Impfung erforderlich.